Bin ich gut genug? Warum wir uns nicht ständig beweisen müssen

Wie oft sagen wir Ja, obwohl wir Nein meinen, oder versuchen, den Erwartungen anderer gerecht zu werden? Dabei vergessen wir manchmal, was uns selbst wichtig ist. Warum wir unseren Wert nicht von der Anerkennung anderer abhängig machen sollten und welche drei Fragen helfen, wieder mehr auf die eigenen Bedürfnisse zu achten.
Sei-die-Versuchung-und-nicht-der-Versuch

„Sei die Versuchung, nicht der Versuch.“

Diese Zeile aus dem Song „Puzzleteil“ von Sido und Montez hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich lese diese eile als Einladung, genauer auf die eigenen Wünsche zu hören. Wie viel Energie verwende ich darauf, Erwartungen zu erfüllen? Und wo bleibt dabei das, was mir selbst wichtig ist?

Wenn wir es allen recht machen wollen

Eine Freundin bittet um einen Gefallen. Eigentlich fehlt uns die Zeit, trotzdem sagen wir Ja. Wir möchten schließlich niemanden enttäuschen. Oder wir sehen auf sozialen Medien, wie erfolgreich, glücklich und zufrieden andere scheinbar sind. Plötzlich erscheint uns das eigene Leben weniger aufregend.

Und wenn uns ein Fehler passiert? Dann ärgern wir uns manchmal nicht nur über die Situation, sondern zweifeln gleich an uns selbst.

Solche Gedanken und Verhaltensweisen kennen viele von uns. Dahinter steckt häufig der Wunsch nach Anerkennung und Zugehörigkeit. Daran ist grundsätzlich nichts falsch. Schwierig wird es, wenn wir unseren eigenen Wert davon abhängig machen, was andere über uns denken.

Dein Selbstwert ist keine Frage deiner Leistung

Schon früh lernen wir, wie gut sich Lob und Anerkennung anfühlen. Daraus können sich innere Überzeugungen entwickeln, die uns lange begleiten:

  • Ich muss alles richtig machen.
  • Ich darf niemanden enttäuschen.
  • Ich muss stark sein und alles alleine schaffen.
  • Erst wenn andere zufrieden sind, bin ich gut genug.

Vielleicht erkennst du den einen oder anderen Gedanken wieder. Solche Ansprüche können uns antreiben. Sie können aber auch Druck erzeugen. Besonders dann, wenn wir glauben, ihnen immer gerecht werden zu müssen. Dabei macht uns ein Fehler nicht zu einem Versager. Und eine andere Meinung bedeutet nicht automatisch, dass wir falschliegen.

Ein fairer Blick auf dich selbst lässt beides zu: Du kannst Fähigkeiten und Stärken anerkennen und zugleich sehen, wo du noch lernen möchtest. Ein Fehler beschreibt eine Situation. Er muss kein Urteil über deine ganze Person werden. 

Überlege einmal: Würdest du mit einem guten Freund nach einem Fehler genauso streng sprechen wie mit dir selbst?

Wie du Selbstkritik genauer hinterfragen und fairer mit dir umgehen kannst, beschreibe ich im Beitrag „Selbstwert stärken„

Wessen Erwartungen erfüllst du eigentlich?

Manchmal merken wir gar nicht, wie sehr wir uns nach den Vorstellungen anderer richten. Wir übernehmen Aufgaben, obwohl wir erschöpft sind. Wir halten an Gewohnheiten fest, die längst nicht mehr zu uns passen. Oder wir vermeiden Entscheidungen, weil wir Angst haben, jemanden zu enttäuschen. Dabei lohnt es sich, gelegentlich genauer hinzuschauen.

Drei Fragen können helfen:

  1. Was tue ich, weil es mir wirklich wichtig ist?
  2. Wo sage ich Ja, obwohl ich eigentlich Nein meine?
  3. Was würde ich verändern, wenn ich niemandem etwas beweisen müsste?

Gerade die letzte Frage finde ich besonders spannend. Vielleicht würdest du dir mehr Zeit für dich nehmen. Eine längst fällige Entscheidung treffen. Etwas Neues ausprobieren. Oder dir einfach erlauben, mit dem zufrieden zu sein, was du bereits erreicht hast.

Vielleicht beginnt es mit einem Satz wie: „Ich würde dich gerne unterstützen. Diese Woche kann ich die Aufgabe aber nicht übernehmen.“ Du kannst Verständnis zeigen und trotzdem bei deiner Grenze bleiben. Wie dein Gegenüber darauf reagiert, liegt nicht vollständig in deiner Hand. 

Wenn du eigene Wünsche und übernommene Erwartungen auseinanderhalten möchtest, findest du weitere Fragen im Beitrag „Ehrlich zu sich selbst sei: Was will ich wirklich?“

Mehr du selbst sein, statt ständig besser werden zu müssen

Veränderung braucht nicht immer einen großen Neuanfang.

Manchmal beginnt sie mit einem ehrlichen Nein. Mit dem Mut, die eigene Meinung auszusprechen. Oder damit, sich einen Fehler zu verzeihen, statt sich noch tagelang darüber zu ärgern.

Kommen wir zurück zur Songzeile von Sido und Montez.

Für mich steckt darin eine Einladung, nicht ständig jemand anderes sein zu wollen. Sondern herauszufinden, wer wir sind, was uns wichtig ist und wie wir unser Leben gestalten möchten.

Das bedeutet nicht, keine Rücksicht mehr auf andere zu nehmen. Es bedeutet, sich dabei selbst nicht aus den Augen zu verlieren.

Vielleicht ist die entscheidende Frage gar nicht, ob du gut genug bist. Sondern warum du glaubst, es immer wieder beweisen zu müssen.

Wenn dich solche inneren Ansprüche immer wieder beschäftigen, kann ein begleitetes Gespräch helfen, deine Gedanken zu sortieren und Handlungsmöglichkeiten zu erkunden. Wie ih dabei vorgehe, beschreib eich im Beitrag „Klarheit durch Coaching„.  Nicht, um jemand anderes zu werden. Sondern um den eigenen Weg klarer zu sehen und bewusster zu gestalten.

Stärken erkennen. Klarheit gewinnen. Zukunft gestalten.

Als Leading Guide und Lebens- und Sozialberaterin begleite ich Menschen dabei, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, Erwartungen zu hinterfragen und persönliche Entscheidungen zu klären.

Du möchtest herausfinden, was dir selbst wichtig ist und wie du dafür im Alltag mehr raum schaffen kannst? Gerne besprechen wir dein Anliegen.  Gerne können wir uns ein persönliches Gespräch vereinbaren.

Petra Baumgarthuber | Leading Guide

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